Abfall & Endlagerung · Faktenwissen
Wie viel Atommüll hat Deutschland?
Auch: Atommüll-Menge · Abfallmengen Deutschland · 1900 Castoren
Kurzantwort
Deutschlands hochradioaktives Erbe ist überschaubar konkret: rund 27.000 Kubikmeter – etwa 1.900 Behälter, größtenteils Castoren – nach dem vollständigen Rückbau. Dazu kommen rund 300.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle für Schacht Konrad – plus die Sonderlast der Asse-Rückholung. Zur Anschauung: Die gesamte hochaktive Fracht aus sechs Jahrzehnten passte in einen Würfel von rund 30 Metern Kantenlänge.
Viel oder wenig? Beide Antworten stimmen – je nach Maßstab
Die Zahlen erlauben zwei ehrliche Lesarten. Die Verdichtung: Sechs Jahrzehnte Kernenergie mit zeitweise einem Drittel der Stromversorgung hinterlassen eine hochaktive Menge, die in eine große Turnhalle passt – pro erzeugter Kilowattstunde ist das die kompakteste Hinterlassenschaft aller Energieträger, verglichen etwa mit Milliarden Tonnen CO₂ oder Kraftwerksasche. Die Beschwerung: Genau diese Turnhallenfüllung verlangt ein Bauwerk für eine Million Jahre, dessen Standort nach Jahrzehnten Suche nicht feststeht, dessen Kosten der KENFO-Fonds tragen soll und dessen Zwischenstationen (16 Standort-Zwischenlager) länger durchhalten müssen als geplant. Dazu kommt die Asse als Mahnung, dass auch „kleine“ Abfälle groß werden können, wenn man sie falsch versenkt. Kompaktheit ist also ein starkes Argument – aber keines, das die Endlagerfrage beantwortet; es verschiebt nur ihre Dimension von der Menge zur Dauer.
Kurz-Fakten
- Hochaktiv: ≈ 27.000 m³ / ≈ 1.900 Behälter (v. a. Castoren) – Endstand nach komplettem Rückbau.
- Verteilung heute: 16 Zwischenlager, überwiegend direkt an den Kraftwerksstandorten.
- Schwach-/mittelaktiv: ≈ 300.000 m³ – Ziel Schacht Konrad (Salzgitter).
- Asse-Unbekannte: Rückholung von ≈ 126.000 Fässern könnte das Konrad-Volumen nochmals deutlich erhöhen.
- Weltvergleich: global lagern ≈ 300.000 Tonnen Schwermetall abgebrannter Brennstoff – Deutschland trägt ≈ 17.000 t (Richtwerte).
- Finanzierung: KENFO-Fonds (≈ 24 Mrd. € Betreiber-Einzahlung 2017) für Zwischen- und Endlagerung.
Zahlenbasis: BGE, BASE, KENFO, IAEA
Einordnung
Die Mengenfrage entzaubert beide Standardbilder – die endlosen Fässerberge der einen wie das „passt in eine Halle, also kein Problem“ der anderen: Deutschlands Atommüll ist klein im Volumen und groß in der Verantwortungsdauer. Wer beide Balken samt Zeitachse kennt, diskutiert Endlagerung als das, was sie ist: ein lösbares, aber nicht wegzurechnendes Generationenprojekt.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW