Abfall & Endlagerung · Faktenwissen
Was ist im Atomlager Asse schiefgelaufen?
Auch: Asse II · Schachtanlage Asse · ERAM Morsleben
Kurzantwort
Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel ist Deutschlands teuerste Endlager-Lehrstunde: Zwischen 1967 und 1978 wurden dort rund 126.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in ein instabiles, wasserzügiges Salzbergwerk gekippt. Seit Jahrzehnten dringen täglich Salzlösungen ein; 2013 beschloss der Bundestag per Gesetz die weltweit beispiellose Rückholung aller Abfälle. Morsleben, das DDR-Pendant in Sachsen-Anhalt, wird dagegen mit den Abfällen darin verfüllt und verschlossen.
Wie es dazu kam – und was die Rückholung bedeutet
Die Asse wurde in den 1960ern als „Forschungsbergwerk“ deklariert – faktisch war sie Billig-Entsorgung ohne Endlager-Genehmigungsverfahren: Fässer wurden teils abgekippt statt gestapelt, Buchführung und Konditionierung blieben lückenhaft, Warnungen vor dem seit Jahrzehnten bekannten Laugenzutritt wurden übergangen. Heute ist das Bergwerk ein Wettlauf: Rund 12 Kubikmeter Salzlösung dringen täglich zu, das durchlöcherte Gebirge konvergiert, und die 2013 im „Lex Asse“ beschlossene Rückholung verlangt, hunderttausende teils beschädigte Fässer unter Strahlenschutz zu bergen, neu zu verpacken und oberirdisch zwischenzulagern – Beginn nach aktueller Planung in den 2030ern, Dauer Jahrzehnte, Kostenschätzungen jenseits mehrerer Milliarden Euro, getragen vom Bund. Der Kontrast zur parallelen Sorgfalts-Maschinerie der StandAG-Suche könnte größer nicht sein – und ist kein Zufall: Die Asse ist der Grund, warum die neue Suche lieber zu langsam als zu leichtfertig ist.
Kurz-Fakten
- Asse II: ehemaliges Salzbergwerk bei Wolfenbüttel – Einlagerung 1967–1978, ≈ 126.000 Fässer (schwach-/mittelaktiv, teils Plutonium-haltig).
- Dauerproblem: ≈ 12 m³ Salzlösung pro Tag dringen zu; Standsicherheit des Grubengebäudes begrenzt.
- 2013 „Lex Asse“: gesetzlicher Rückhol-Auftrag – weltweit ohne Vorbild; Bergungsbeginn in den 2030ern geplant.
- Kosten: Milliardenprojekt zulasten des Bundes – zusätzlich zum regulären Entsorgungsprogramm.
- Morsleben (ERAM): DDR-Endlager, ≈ 37.000 m³ – Stilllegung durch Verfüllung und Verschluss läuft.
- Wirkung: Asse-Erfahrung prägte die StandAG-Kriterien (Trockenheit, Integrität, Dokumentation, Beteiligung).
Zahlenbasis: BGE, BASE, Lex Asse (AtG §57b)
Einordnung
Die Asse beantwortet die häufige Frage, warum Deutschland bei der Endlagersuche so quälend gründlich ist: weil es die Alternative bereits ausprobiert hat. Sie ist zugleich Mahnmal gegen Entsorgungs-Leichtsinn und Beleg, dass der Staat Fehler dieser Größe korrigieren kann – zu einem Preis, der jede künftige Abkürzung unattraktiv macht.
Verwandte Fragen
- Endlagersuche in Deutschland
- Arten von Atommüll
- Wie viel Atommüll hat Deutschland?
- Endlager Onkalo (Finnland)
Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW