Abfall & Endlagerung · Faktenwissen
Wie läuft die Endlagersuche in Deutschland ab?
Auch: Standortauswahl · StandAG · Endlager-Standortsuche
Kurzantwort
Deutschland sucht seit 2017 nach dem Standortauswahlgesetz (StandAG) ein Endlager für rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktive Abfälle – vergleichend, wissenschaftsbasiert und auf einer „weißen Landkarte“ ohne Vorfestlegung. 2020 wies der erste Zwischenbericht 90 Teilgebiete auf 54 Prozent der Landesfläche aus; seither wird schrittweise eingegrenzt. Der ursprüngliche Zieltermin 2031 für die Standortentscheidung ist überholt – realistische Szenarien reichen in die 2040er bis 2060er Jahre.
Warum das so lange dauert – und wer was entscheidet
Gesucht wird ein Ort, der hochradioaktive Abfälle eine Million Jahre von der Biosphäre fernhält – in einem von drei Wirtsgesteinen: Steinsalz, Tongestein oder Kristallin. Nach dem Scheitern des politisch gesetzten Standorts Gorleben drehte das StandAG die Logik um: Erst vergleicht die Wissenschaft (durchgeführt von der Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE, beaufsichtigt vom Bundesamt BASE), dann entscheidet am Ende der Bundestag per Gesetz – mit gesetzlich verankerter Öffentlichkeitsbeteiligung in jeder Phase. Die Gründlichkeit hat ihren Preis: Die BGE grenzt die 90 Teilgebiete seit 2020 in Arbeitsständen ein, doch übertägige und untertägige Erkundung ganzer Regionen dauern Jahrzehnte. Bezahlt wird das übrigens nicht aus dem Bundeshaushalt: Die Kraftwerksbetreiber zahlten 2017 rund 24 Milliarden Euro in den Staatsfonds KENFO ein, der Zwischen- und Endlagerung finanziert.
Kurz-Fakten
- Menge: ≈ 27.000 m³ hochradioaktive Abfälle – rund 1.900 Behälter (v. a. Castoren), heute in 16 Zwischenlagern.
- Drei Wirtsgesteine im Vergleich: Steinsalz, Tongestein, Kristallingestein (Granit).
- Zwischenbericht 2020: 90 Teilgebiete ≈ 54 % der Fläche Deutschlands als grundsätzlich geeignet.
- Akteure: BGE sucht, BASE beaufsichtigt und beteiligt, der Bundestag entscheidet per Gesetz.
- Zeitplan: Ziel 2031 verfehlt – BGE-Szenarien nennen Standortentscheidung zwischen den 2040ern und 2060ern.
- Finanzierung: KENFO-Fonds, gespeist mit ≈ 24 Mrd. € der Betreiber (2017).
Zahlenbasis: BGE, BASE, KENFO
Das Standortauswahlverfahren – die sechs Etappen
- Gesetzliche Basis (2017): Das StandAG startet die Suche neu – weiße Landkarte, wissenschaftliche Ausschlusskriterien, drei Wirtsgesteine im Vergleich.
- Teilgebiete (2020): Die BGE wertet Geodaten aus und weist 90 Teilgebiete aus – über die Hälfte der Landesfläche bleibt zunächst im Rennen.
- Eingrenzung auf Standortregionen (läuft): Schrittweise Bewertung grenzt auf wenige Regionen für die übertägige Erkundung ein.
- Übertägige Erkundung: Geophysik und Bohrungen von der Oberfläche prüfen die Kandidaten-Regionen im Detail.
- Untertägige Erkundung: In den besten Standorten entstehen Erkundungsbergwerke – die Tiefenprüfung vor Ort.
- Entscheidung & Bau: Standortvorschlag, Bundestagsbeschluss per Gesetz, Genehmigung, Errichtung – Einlagerungsbeginn folgt Jahre bis Jahrzehnte später.
Einordnung
Die Endlagersuche ist Deutschlands längstes Infrastrukturprojekt – und unabhängig vom Für und Wider der Kernkraft unausweichlich: Die Abfälle existieren. Bemerkenswert am Verfahren ist seine Umkehrung der Gorleben-Logik – Wissenschaft vor Politik, Vergleich vor Festlegung. Ob diese Gründlichkeit das Vertrauen schafft, das dem Vorgänger fehlte, entscheidet sich in den Erkundungsregionen der kommenden Jahre.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW