Zum Inhalt springen
Atom-SymbolStilisierter Atomkern mit drei ElektronenbahnenatomkernenergieFAKTEN STATT LAGERDENKEN

Deutschland & Welt · Faktenwissen

Wo werden in Europa neue Kernkraftwerke gebaut?

Auch: Hinkley Point C · Flamanville · Olkiluoto 3 · AKW-Neubau Europa

Kurzantwort

Europas Neubau-Bilanz der 2020er: zwei EPR-Erstlinge endlich am Netz (Olkiluoto 3 im Jahr 2023, Flamanville 3 Ende 2024), eine Großbaustelle in Verzug (Hinkley Point C) – und eine ungewöhnlich lange Liste beschlossener Projekte von Prag bis Warschau. Die gemeinsame Erfahrung der Erstlinge: 13 bis 17 Jahre Bauzeit und ein Mehrfaches der Budgets. Die offene Wette des Jahrzehnts: Ob Serieneffekte (EPR2, koreanische und amerikanische Designs) die europäische Baustellen-Misere brechen.

Europas Neubau-Landkarte: fertig, im Bau, beschlossenDrei Spalten: Fertiggestellt wurden nach jahrzehntelangen Verzögerungen Olkiluoto 3 in Finnland (Netz 2023) und Flamanville 3 in Frankreich (Netz 2024). Im Bau ist vor allem Hinkley Point C in Großbritannien – mit Kosten jenseits 30 Milliarden Pfund und Fertigstellung um 2029 bis 2031. Beschlossen oder vergeben sind Projekte in Tschechien (Dukovany mit Südkoreas KHNP), Polen (Westinghouse an der Ostsee), Frankreich (EPR2-Programm) sowie Planungen in den Niederlanden und Schweden.Am Netz (neu)Olkiluoto 3 (FIN, 2023)Flamanville 3 (F, 2024)je > 13 Jahre BauzeitIm BauHinkley Point C (UK)> 30 Mrd. £, Ziel 2029–31Slowakei: Mochovce-AusbauBeschlossenCZ: Dukovany → KHNPPL: Westinghouse-KüsteF: EPR2 · NL/SE planen
Die Karte füllt sich mit Beschlüssen – Beton gibt es bislang an drei Orten, und jeder davon erzählt eine Kostenlektion.

Die Lektionen der Erstlinge – und warum trotzdem bestellt wird

Die drei EPR-Referenzen lesen sich wie eine Warnliste: Olkiluoto 3 brauchte 18 Jahre statt vier und trieb den Anbieter Areva in die Zerschlagung; Flamanville sammelte 17 Jahre und gut das Vierfache des Budgets; Hinkley Point C verdoppelte seine Kosten schon vor der Halbzeit – finanzierbar nur durch einen auf 35 Jahre garantierten Abnahmepreis, der seinerseits Dauerkritik erntet. Dass Osteuropa dennoch bestellt, hat drei nüchterne Gründe: Kohleausstieg ohne Gas-Alternative (Polen), russische Abhängigkeit kappen (Tschechien ersetzt geplante Rosatom-Optionen – der Zuschlag ging 2024/25 nach hartem Bieterstreit an Südkoreas KHNP, das mit Barakah in den Emiraten als einziger westlich verfügbarer Anbieter Termintreue vorweisen kann) und schlict fehlende Flächen-Alternativen im eigenen Netzprofil. Die eigentliche Systemfrage der 2030er lautet daher: Wiederholt Europa mit EPR2 und Co. die Erstlings-Erfahrung – oder greift der Serien-Effekt, den Korea vorlebt? Die deutschen Kosten-Einträge dieses Lexikons hängen direkt an dieser Antwort.

Eine Randnotiz mit Symbolkraft: Auch die Schweiz diskutiert seit 2024/25 die Aufhebung ihres Neubauverbots, Schweden hat Finanzierungsrahmen für neue Reaktoren beschlossen, und Belgien verlängerte statt auszusteigen – das europäische Pendel schwingt sichtbar, nur eben in Jahrzehnt-Frequenz.

Kurz-Fakten

Zahlenbasis: Projektangaben EDF/TVO/EDF Energy, Regierungsbeschlüsse, IAEA

Einordnung

Europas Neubau-Kapitel ist ein Realexperiment mit offenem Ausgang: Die Erstlinge bewiesen, dass es geht – und was es kostet; die Bestellwelle testet nun, ob daraus eine lernende Serie oder eine Wiederholung wird. Für die deutsche Zuschauerrolle heißt das: Die Nachbar-Baustellen liefern in den 2030ern genau die Kosten- und Termindaten, an denen sich jede hiesige Wiedereinstiegs-Fantasie messen lassen muss.

Verwandte Fragen

Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW