Reaktortechnik · Faktenwissen
Was bedeuten die Reaktorgenerationen I bis IV?
Auch: Generation III+ · Gen IV · EPR · AP1000
Kurzantwort
Die Generationen-Zählung sortiert die Reaktorentwicklung: I waren die Prototypen der 50er/60er, II ist die heutige Weltflotte, III/III+ sind die modernen Neubauten – und IV sind Zukunftskonzepte in der Entwicklung. Generation III bringt vor allem Sicherheits-Evolution: passive Systeme, Core Catcher, Auslegung gegen Kernschmelze-Folgen. Generation IV ist keine Baureihe, sondern ein Forschungsprogramm aus sechs Konzeptfamilien.
Gen III in der Realität – und was hinter Gen IV steckt
Generation III ist seit wenigen Jahren Betriebsrealität: Die ersten EPR liefen in China an (Taishan, 2018/19), Europas Erstlinge Olkiluoto 3 (Netz 2023) und Flamanville 3 (Netz 2024) folgten nach legendären Bauzeit-Dramen, die AP1000-Blöcke in Vogtle (USA) gingen 2023/24 ans Netz. Technisch liefern sie, was versprochen war – die Kostengeschichte erzählt der Wirtschafts-Eintrag. Generation IV dagegen ist ein 2001 gestartetes internationales Forschungsprogramm (Generation IV International Forum) mit sechs Familien, darunter schnelle Reaktoren, Hochtemperatur- und Flüssigsalzkonzepte. Ihre Versprechen – Abfall verbrennen, Brennstoff strecken, inhärente Sicherheit – sind physikalisch fundiert, aber überwiegend unbewiesen im Kraftwerksmaßstab; am weitesten sind schnelle Natrium-Reaktoren in Russland und China. Viele SMR-Designs sind übrigens schlicht kleine Gen-III-Technik – die Begriffe werden gern vermischt.
Kurz-Fakten
- Gen I: Pioniere wie Kahl (erster deutscher Reaktor, 1961) und Shippingport (USA, 1957).
- Gen II: die Weltflotte der 1970er–90er – Standard-DWR/SWR, auch alle deutschen Anlagen.
- Gen III/III+ am Netz: Taishan (2018/19), Olkiluoto 3 (2023), Flamanville 3 (2024), Vogtle 3+4 (2023/24).
- Gen-III-Merkmale: passive Sicherheit, Core Catcher (EPR), doppelte Containments, 60 Jahre Auslegung.
- Gen IV: sechs Konzeptfamilien im internationalen Forum (GIF, seit 2001) – u. a. Flüssigsalz, Hochtemperatur, schnelle Reaktoren.
- Am weitesten bei Gen IV: schnelle Natriumreaktoren (Russland BN-800, Chinas CFR-600).
Zahlenbasis: GIF, IAEA PRIS, World Nuclear Association
Einordnung
Die Generationen-Skala ist nützlich, solange man sie als das liest, was sie ist: eine Lernkurven-Chronik, kein Fortschritts-Automatismus. Gen III beweist gerade, dass die Technik liefert und die Baustellen-Ökonomie das Problem bleibt; Gen IV verspricht die eleganteren Antworten – auf Papier, das erst noch Beton werden muss.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW