Grundlagen & Physik · Faktenwissen
Was ist Kernspaltung?
Auch: Fission · Atomspaltung · Spaltung
Kurzantwort
Bei der Kernspaltung zerplatzt ein schwerer Atomkern – meist Uran-235 – nach dem Einfang eines Neutrons in zwei mittelschwere Bruchstücke. Dabei werden rund 200 MeV Energie und zwei bis drei neue Neutronen frei, die weitere Kerne spalten können: die Basis der Kettenreaktion. Entdeckt wurde die Spaltung 1938 von Otto Hahn und Fritz Straßmann, physikalisch gedeutet von Lise Meitner und Otto Frisch.
Warum ausgerechnet Uran-235?
Nicht jeder schwere Kern lässt sich so leicht spalten. Uran-235 gehört zu den wenigen Nukliden, die schon von langsamen (thermischen) Neutronen gespalten werden – sein Kern mit ungerader Neutronenzahl gewinnt beim Neutroneneinfang besonders viel Anregungsenergie. Das häufige Uran-238 (über 99 % des Natururans) fängt langsame Neutronen dagegen meist nur ein, ohne zu spalten. Deshalb brauchen die meisten Reaktoren zweierlei: leicht angereichertes Uran mit erhöhtem U-235-Anteil und einen Moderator, der die schnellen Spaltneutronen abbremst, bis sie „thermisch“ genug für die nächste Spaltung sind.
Kurz-Fakten
- Energiebilanz: rund 200 MeV pro Spaltung – etwa 50 Millionen Mal mehr als eine typische chemische Reaktion.
- Pro Spaltung entstehen im Mittel 2 bis 3 neue Neutronen (bei U-235: ca. 2,4).
- Thermisch spaltbar sind vor allem U-235, Pu-239 und U-233 – nicht das häufige U-238.
- Die Bruchstücke (Spaltprodukte) sind hochradioaktiv – sie sind der Kern des Atommüll-Problems.
- Entdeckt Dezember 1938 in Berlin; den Nobelpreis erhielt 1944 allein Otto Hahn – Lise Meitners Beitrag blieb unausgezeichnet.
Einordnung
Die Kernspaltung ist der Elementarprozess, aus dem alles Weitere folgt – Kettenreaktion, Reaktordesign, aber auch Spaltprodukte und damit die Endlagerfrage. Wer diesen einen Vorgang verstanden hat, kann jede Debatte über Kernkraft eine Ebene tiefer führen als die Schlagzeilen.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW