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Atom-SymbolStilisierter Atomkern mit drei ElektronenbahnenatomkernenergieFAKTEN STATT LAGERDENKEN

Grundlagen & Physik · Faktenwissen

Was ist eine Kettenreaktion?

Auch: nukleare Kettenreaktion · kritisch · Multiplikationsfaktor k

Kurzantwort

Eine nukleare Kettenreaktion entsteht, wenn die bei einer Kernspaltung freigesetzten Neutronen weitere Spaltungen auslösen – die Reaktion trägt sich selbst. Der Multiplikationsfaktor k beschreibt den Zustand: Bei k = 1 ist der Reaktor „kritisch“ – das ist der stabile Normalbetrieb, kein Alarmzustand. Regelbar ist das Ganze nur dank eines Geschenks der Physik: der verzögerten Neutronen.

Unterkritisch, kritisch, überkritisch: die drei ZuständeDrei Spalten: Bei k kleiner 1 löst jede Spaltung im Mittel weniger als eine Folgespaltung aus, die Reaktion erlischt. Bei k gleich 1 hält genau eine Folgespaltung die Leistung konstant – der stabile Normalbetrieb eines Reaktors. Bei k größer 1 wächst die Reaktion an, kontrolliert beim Anfahren, unkontrolliert als Störfall.Unterkritisch k < 1Reaktion klingt abZustand nach AbschaltungNeutronen gehen verlorenKritisch k = 1genau 1 Folgespaltungkonstante Leistung= Normalbetrieb!Überkritisch k > 1Leistung steigtkontrolliert: Anfahrenunkontrolliert: Störfall
Das meistmissverstandene Wort der Debatte: „Der Reaktor ist kritisch“ heißt schlicht – er läuft stabil.

Verzögerte Neutronen: warum Reaktoren überhaupt regelbar sind

Über 99 Prozent der Spaltneutronen entstehen prompt – binnen Sekundenbruchteilen. Wären sie allein, würde jede Leistungsänderung in Millisekunden explodieren oder erlöschen; kein mechanisches System könnte folgen. Die Rettung sind rund 0,65 Prozent verzögerte Neutronen, die erst Sekunden bis Minuten später aus den Spaltprodukten nachgeliefert werden. Reaktoren werden so betrieben, dass genau dieser kleine Nachschlag über Kritikalität entscheidet – dadurch reagiert die Kettenreaktion träge genug für Steuerstäbe und Regeltechnik. Tschernobyl zeigte 1986 die Kehrseite: Der Reaktor geriet in den prompt-überkritischen Bereich, in dem die verzögerten Neutronen nicht mehr gebraucht wurden – und keine Regelung der Welt mehr half.

Kurz-Fakten

Einordnung

Die Kettenreaktion ist der Punkt, an dem Kernphysik zur Ingenieursaufgabe wird: Nicht die Spaltung selbst ist die Kunst, sondern k dauerhaft auf exakt 1 zu halten. Wer die verzögerten Neutronen kennt, versteht zugleich, warum Reaktoren regelbar sind – und warum der eine Reaktortyp, der diese Sicherheitsmarge verspielte, zum Synonym der Katastrophe wurde.

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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW