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Atom-SymbolStilisierter Atomkern mit drei ElektronenbahnenatomkernenergieFAKTEN STATT LAGERDENKEN

Wirtschaft & Debatte · Faktenwissen

Hat der Atomausstieg den Strompreis erhöht?

Auch: Strompreis Atomausstieg · Merit-Order · Börsenstrompreis

Kurzantwort

Der ehrliche Befund: Ja, der Wegfall der letzten Kernkraftwerke wirkt preiserhöhend – aber als kleiner Effekt in einem Markt, dessen Preisspitzen von Gas gemacht werden. Modellrechnungen beziffern den Effekt der drei letzten Blöcke auf wenige Prozent bzw. einstellige Euro pro Megawattstunde am Großhandelsmarkt. Die Explosion von 2021/22 hatte einen anderen Absender: den Gaspreis – über die Merit-Order setzt das teuerste benötigte Kraftwerk den Preis für alle.

Wie der Strompreis entsteht – und wo der Ausstieg hineinspieltDrei Stationen: An der Börse werden Kraftwerke nach Grenzkosten sortiert eingesetzt – erst Wind, Solar und Kernkraft, dann Kohle, zuletzt Gas. Das letzte benötigte, teuerste Kraftwerk setzt den Preis für alle – die Merit-Order; in Knappheitsstunden ist das fast immer Gas, weshalb 2021/22 der Gaspreis die Strompreise vervielfachte. Der Wegfall günstiger Kernkraft-Kapazität rückt die Kurve zusammen: Gas setzt öfter und früher den Preis – Modellstudien beziffern diesen Effekt der letzten drei Blöcke auf einstellige Euro je Megawattstunde.Merit-OrderEinsatz nach Grenzkosten – billig zuerstGas setzt den Preisteuerstes nötiges Kraftwerk bestimmt für alleAKW-Wegfall-EffektStudien: wenige % / einstellige €/MWh
Beide Lager haben ihre halbe Wahrheit: Der Ausstieg macht Strom messbar teurer – und die Preiskrise machte trotzdem das Gas.

Was sich seriös beziffern lässt – und was Talkshow-Arithmetik bleibt

Drei Rechnungen sortieren die Debatte. Erstens der direkte Mengeneffekt: Die letzten drei Blöcke lieferten zuletzt rund 6 Prozent des deutschen Stroms; ihr Ersatz durch teurere Grenzkraftwerke verschiebt den Börsenpreis in Modellstudien (u. a. von Energiewirtschafts-Instituten beider Debattenseiten) um Größenordnung 1 bis 5 Prozent bzw. einstellige Euro pro Megawattstunde – real, aber weit entfernt von den Preiskapriolen der Krise, in der sich Großhandelspreise zeitweise verzehnfachten. Zweitens der Haushaltsblick: Beim Endkundenpreis dämpfen Netzentgelte, Steuern und Umlagen jeden Erzeugungseffekt zusätzlich – pro Kilowattstunde bleiben rechnerisch Zehntelcents. Drittens die Gegenprobe Frankreich: Dessen niedrige Verbraucherpreise sind primär reguliert (Preisdeckel, staatlicher EDF-Verlustausgleich) – als Marktbeweis taugen sie nur begrenzt, wie umgekehrt der Sommer 2022 zeigte, als das Kernkraftland Rekord-Börsenpreise hatte, weil die halbe Flotte stillstand. Unseriös bleibt damit beides: den Ausstieg zum Hauptschuldigen der Strompreise zu erklären – und ihn für kostenlos. Er war ein bewusst bezahlter Preis; über seine Höhe darf man streiten, über seine Existenz nicht.

Kurz-Fakten

Zahlenbasis: Modellstudien (u. a. EWI, Enervis), Bundesnetzagentur, EPEX-Daten

Einordnung

Die Strompreisfrage ist der Eintrag, in dem Neutralität am meisten Zahlenarbeit kostet: Der Ausstiegs-Effekt ist real, klein und seriös bezifferbar – die Preiskrise war ein Gas-Ereignis. Wer nur einen der beiden Sätze zitiert, führt keine Energiedebatte, sondern einen Wahlkampf; dieses Lexikon liefert bewusst beide.

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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW