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Kernfusion · Faktenwissen

Was ist ein Stellarator?

Auch: Wendelstein 7-X · W7-X · Stellarator-Prinzip

Kurzantwort

Der Stellarator erzeugt das verdrillte Einschlussfeld komplett mit extern geformten, bizarr verwundenen Magnetspulen – ganz ohne den Plasmastrom des Tokamaks. Der Lohn: keine Disruptionen und prinzipiell echter Dauerbetrieb – der Preis: die kompliziertesten Magnete, die je gebaut wurden. Das Weltspitzengerät steht in Deutschland: Wendelstein 7-X in Greifswald liefert seit 2015 die Beweisdaten für das Konzept.

Tokamak vs. Stellarator: zwei Wege zum verdrillten FeldDrei Spalten: Der Tokamak nutzt einen Strom im Plasma – einfacher zu bauen, aber gepulst und disruptionsanfällig. Der Stellarator formt das gesamte Feld mit verwundenen Außenspulen – dauerbetriebsfähig und stromabriss-frei, dafür extrem komplex zu fertigen. Wendelstein 7-X in Greifswald beweist das Prinzip mit 50 supraleitenden Spezialspulen und Plasma-Rekorden im Minutenbereich.TokamakPlasmastrom nötiggepulster BetriebDisruptions-RisikoStellaratorFeld nur aus SpulenDauerbetrieb möglichkein StromabrissWendelstein 7-X50 verwundene SpulenGreifswald, seit 2015Rekorde im Minutenbereich
Dieselbe Physik-Aufgabe, zwei Philosophien: Der Tokamak lässt das Plasma mitarbeiten – der Stellarator traut ihm nicht.

Warum W7-X erst der Supercomputer möglich machte

Die Stellarator-Idee ist älter als der Tokamak (Lyman Spitzer, Princeton 1951), scheiterte aber jahrzehntelang an einem Problem: Die von Hand entworfenen Felder ließen zu viele Teilchen entkommen. Erst numerische Optimierung ab den 1980ern konnte Spulenformen berechnen, die das Plasma wirklich dicht halten – Wendelstein 7-X ist die gebaute Antwort dieser Rechnungen: 50 supraleitende, jeweils einzigartig verwundene Spulen, gefertigt auf Millimeter genau, Baukosten über eine Milliarde Euro. Der Betrieb seit 2015 liefert die Belohnung: Entladungen über acht Minuten mit 1,3 Gigajoule Energieumsatz (2023) und seither weiter steigende Bestwerte bei Dichte, Temperatur und Dauer – Weltrekorde für das Konzept. Die nüchterne Einordnung gehört dazu: W7-X ist ein reines Physik-Experiment ohne Tritium und ohne Energiegewinnungs-Anspruch; es soll beweisen, dass Stellaratoren kraftwerkstauglich einschließen. Startups wie Proxima Fusion (München) bauen auf genau diesen Daten ihre Kraftwerkspläne.

Kurz-Fakten

Zahlenbasis: IPP Greifswald / Max-Planck-Gesellschaft

Einordnung

Der Stellarator ist die deutsche Fusions-Erzählung schlechthin: ein totgesagtes Konzept, von Rechenleistung wiederbelebt und in Greifswald zur Weltspitze gebaut. Sollte die Fusion je in den Dauerbetrieb müssen – und ein Kraftwerk muss –, könnte sich die komplizierteste Maschine als die praktischste erweisen; genau diese Wette läuft gerade.

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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW