Kernfusion · Faktenwissen
Was ist ein Stellarator?
Auch: Wendelstein 7-X · W7-X · Stellarator-Prinzip
Kurzantwort
Der Stellarator erzeugt das verdrillte Einschlussfeld komplett mit extern geformten, bizarr verwundenen Magnetspulen – ganz ohne den Plasmastrom des Tokamaks. Der Lohn: keine Disruptionen und prinzipiell echter Dauerbetrieb – der Preis: die kompliziertesten Magnete, die je gebaut wurden. Das Weltspitzengerät steht in Deutschland: Wendelstein 7-X in Greifswald liefert seit 2015 die Beweisdaten für das Konzept.
Warum W7-X erst der Supercomputer möglich machte
Die Stellarator-Idee ist älter als der Tokamak (Lyman Spitzer, Princeton 1951), scheiterte aber jahrzehntelang an einem Problem: Die von Hand entworfenen Felder ließen zu viele Teilchen entkommen. Erst numerische Optimierung ab den 1980ern konnte Spulenformen berechnen, die das Plasma wirklich dicht halten – Wendelstein 7-X ist die gebaute Antwort dieser Rechnungen: 50 supraleitende, jeweils einzigartig verwundene Spulen, gefertigt auf Millimeter genau, Baukosten über eine Milliarde Euro. Der Betrieb seit 2015 liefert die Belohnung: Entladungen über acht Minuten mit 1,3 Gigajoule Energieumsatz (2023) und seither weiter steigende Bestwerte bei Dichte, Temperatur und Dauer – Weltrekorde für das Konzept. Die nüchterne Einordnung gehört dazu: W7-X ist ein reines Physik-Experiment ohne Tritium und ohne Energiegewinnungs-Anspruch; es soll beweisen, dass Stellaratoren kraftwerkstauglich einschließen. Startups wie Proxima Fusion (München) bauen auf genau diesen Daten ihre Kraftwerkspläne.
Kurz-Fakten
- Prinzip: vollständige Feldverdrillung durch extern geformte Spulen – kein Plasmastrom, kein Transformator.
- Vorteile: inhärent dauerbetriebsfähig, keine Disruptionen; Nachteil: extreme Fertigungskomplexität.
- Wendelstein 7-X (IPP Greifswald): 50 supraleitende Spezialspulen, in Betrieb seit 2015.
- Rekordmarken: 8-Minuten-Plasmen mit 1,3 GJ Energieumsatz (2023), seither weiter gesteigerte Bestwerte.
- Historie: Konzept 1951 von Lyman Spitzer – durch Supercomputer-Optimierung wiederbelebt.
- Kraftwerks-Nachfolger in Planung: u. a. beim Münchner Startup Proxima Fusion auf W7-X-Basis.
Zahlenbasis: IPP Greifswald / Max-Planck-Gesellschaft
Einordnung
Der Stellarator ist die deutsche Fusions-Erzählung schlechthin: ein totgesagtes Konzept, von Rechenleistung wiederbelebt und in Greifswald zur Weltspitze gebaut. Sollte die Fusion je in den Dauerbetrieb müssen – und ein Kraftwerk muss –, könnte sich die komplizierteste Maschine als die praktischste erweisen; genau diese Wette läuft gerade.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW