Zum Inhalt springen
Atom-SymbolStilisierter Atomkern mit drei ElektronenbahnenatomkernenergieFAKTEN STATT LAGERDENKEN

Kernfusion · Faktenwissen

Was sind Deuterium und Tritium?

Auch: schwerer Wasserstoff · D-T-Brennstoff · Tritium-Brüten

Kurzantwort

Deuterium und Tritium sind die schweren Geschwister des Wasserstoffs – und zusammen der Brennstoff der ersten Fusionskraftwerks-Generation. Deuterium ist stabil und praktisch unerschöpflich aus Meerwasser zu gewinnen; Tritium ist radioaktiv, extrem selten und muss künstlich erzeugt werden. Die Tritium-Frage ist der stille Engpass der Fusion: Weltweit existieren nur wenige Dutzend Kilogramm – Kraftwerke müssen es aus Lithium selbst erbrüten.

Der Fusionsbrennstoff im SteckbriefDrei Spalten: Deuterium ist stabil, steckt in jedem 6.400sten Wassermolekül und ist aus Meerwasser praktisch unbegrenzt verfügbar. Tritium ist radioaktiv mit 12,3 Jahren Halbwertszeit, stammt heute fast nur aus kanadischen Schwerwasser-Reaktoren und existiert weltweit nur in Kilogramm-Mengen. Die Lösung: Künftige Kraftwerke erbrüten ihr Tritium selbst, indem die Fusionsneutronen im Blanket Lithium spalten.Deuterium (D)stabil, ungefährlich1 : 6.400 im WasserVorrat: OzeaneTritium (T)radioaktiv, HWZ 12,3 aweltweit nur ~kg-Beständeheute aus CANDU-ReaktorenDie Lösung: BrütenNeutron + Lithium → Tim Blanket des Kraftwerksmuss sich selbst versorgen
Ein Partner aus dem Ozean, einer aus dem eigenen Reaktormantel: Die D-T-Fusion muss ihren Brennstoff-Kreislauf selbst schließen.

Warum ausgerechnet D-T – und warum Lithium mit im Boot sitzt

Unter allen Fusionsreaktionen zündet Deuterium-Tritium mit Abstand am leichtesten: der größte Wirkungsquerschnitt bei der niedrigsten Temperatur – „nur“ 150 Millionen Grad, wo reine Deuterium-Fusion ein Vielfaches bräuchte. Der Preis ist die Tritium-Logistik: Der Stoff zerfällt binnen Jahrzehnten von selbst, ist Kontrollgut und stammt heute fast ausschließlich als Nebenprodukt kanadischer Schwerwasser-Reaktoren – ein Vorrat, an dem schon ITERs Bedarf spürbar zehren wird. Deshalb gehört zur Fusion untrennbar das Brut-Blanket: Die Reaktorwand enthält Lithium, dessen Kerne von den Fusionsneutronen zu Tritium und Helium gespalten werden – jedes Kraftwerk muss mehr Tritium erbrüten, als es verbrennt (Brutrate über 1). Ob das im Dauerbetrieb gelingt, ist eine der offenen ITER/DEMO-Kernfragen. Der Rohstoffblick entspannt sich damit auf Deuterium plus Lithium – Fusion konkurriert beim Lithium allerdings mit der Batterie-Welt, wenn auch mit winzigen Mengen.

Kurz-Fakten

Einordnung

Die D-T-Wahl zeigt Fusion als Ingenieurskompromiss: Man nimmt den zündwilligsten Brennstoff und handelt sich dafür Radioaktivität, Neutronenlast und eine Brut-Hausaufgabe ein. Wer Fusions-Zeitpläne bewertet, sollte neben Q-Werten immer nach der Tritium-Bilanz fragen – sie ist der unglamouröseste, aber härteste Engpass der Roadmaps.

Verwandte Fragen

Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW