Kernfusion · Faktenwissen
Was sind Deuterium und Tritium?
Auch: schwerer Wasserstoff · D-T-Brennstoff · Tritium-Brüten
Kurzantwort
Deuterium und Tritium sind die schweren Geschwister des Wasserstoffs – und zusammen der Brennstoff der ersten Fusionskraftwerks-Generation. Deuterium ist stabil und praktisch unerschöpflich aus Meerwasser zu gewinnen; Tritium ist radioaktiv, extrem selten und muss künstlich erzeugt werden. Die Tritium-Frage ist der stille Engpass der Fusion: Weltweit existieren nur wenige Dutzend Kilogramm – Kraftwerke müssen es aus Lithium selbst erbrüten.
Warum ausgerechnet D-T – und warum Lithium mit im Boot sitzt
Unter allen Fusionsreaktionen zündet Deuterium-Tritium mit Abstand am leichtesten: der größte Wirkungsquerschnitt bei der niedrigsten Temperatur – „nur“ 150 Millionen Grad, wo reine Deuterium-Fusion ein Vielfaches bräuchte. Der Preis ist die Tritium-Logistik: Der Stoff zerfällt binnen Jahrzehnten von selbst, ist Kontrollgut und stammt heute fast ausschließlich als Nebenprodukt kanadischer Schwerwasser-Reaktoren – ein Vorrat, an dem schon ITERs Bedarf spürbar zehren wird. Deshalb gehört zur Fusion untrennbar das Brut-Blanket: Die Reaktorwand enthält Lithium, dessen Kerne von den Fusionsneutronen zu Tritium und Helium gespalten werden – jedes Kraftwerk muss mehr Tritium erbrüten, als es verbrennt (Brutrate über 1). Ob das im Dauerbetrieb gelingt, ist eine der offenen ITER/DEMO-Kernfragen. Der Rohstoffblick entspannt sich damit auf Deuterium plus Lithium – Fusion konkurriert beim Lithium allerdings mit der Batterie-Welt, wenn auch mit winzigen Mengen.
Kurz-Fakten
- Deuterium: 1 Proton + 1 Neutron – stabil; Anteil ≈ 0,015 % allen Wasserstoffs (1 : 6.400).
- Tritium: 1 Proton + 2 Neutronen – Betastrahler, Halbwertszeit 12,3 Jahre.
- Weltbestand Tritium: Größenordnung wenige Dutzend Kilogramm – Quelle: CANDU-Reaktoren.
- D-T zündet am leichtesten: Optimum um 150 Mio. °C – daher Brennstoff der ersten Generation.
- Brut-Pflicht: Neutron + Lithium-6 → Tritium + Helium; Kraftwerke brauchen Brutrate > 1.
- Brennstoff-Sparsamkeit: wenige hundert Kilogramm D+T decken den Jahresbedarf eines Gigawatt-Kraftwerks.
Einordnung
Die D-T-Wahl zeigt Fusion als Ingenieurskompromiss: Man nimmt den zündwilligsten Brennstoff und handelt sich dafür Radioaktivität, Neutronenlast und eine Brut-Hausaufgabe ein. Wer Fusions-Zeitpläne bewertet, sollte neben Q-Werten immer nach der Tritium-Bilanz fragen – sie ist der unglamouröseste, aber härteste Engpass der Roadmaps.
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Stand: Juli 2026 · Geprüft von SEO NW