Kernenergie

Die Stromerzeugung in einem Kernkraftwerk geschieht grundsätzlich wie in anderen Kraftwerken auch. Wasser wird erhitzt, um mittels des Wasserdampfes eine Turbine anzutreiben. Die Besonderheit von Atomkraftwerken besteht in der Wärmequelle. Zum Einsatz kommen Brennstäbe mit radioaktiven Elementen, bei deren Zerfall Energie freigesetzt wird.

Der Brennstoff hat es in sich

Die Art des Brennstoffs bedingt spezifische Sicherheitsrisiken für Atomreaktoren. Es handelt sich um gefährliche Stoffe, die keinesfalls in Kontakt mit der Umgebung kommen dürfen. Einige dieser Stoffe – in besonders hohem Maße Plutonium – sind hochgradig giftig, aber ihr besonderes Gefährdungspotenzial besteht in der radioaktiven Gammastrahlung. Diese führt dazu, dass es nicht ausreicht, diese Stoffe nicht in direkten Kontakt mit Menschen kommen zu lassen. Gammastrahlung ist eine Strahlung mit prinzipiell unendlicher Reichweite, die auch auf größere Entfernung schwere Zellschädigungen verursachen kann. Medizinische Folgen sind Schädigungen des Erbguts sowie zahlreiche Arten von Krebs. Die von diesen Stoffen ausgehende Gefährdung klingt nur langsam ab. Beschrieben wird diese Abklingzeit durch die so genannte Halbwertzeit. Diese gibt an, nach welcher Zeit die Hälfte der Kerne zerfallen ist. Die Halbwertzeit von Plutonium beträgt mehr als 24.000 Jahre, einige Uranisotope weisen noch deutlich längere Halbwertzeiten auf. Diese Stoffe müssen also über einen Zeitraum sicher gelagert werden, der die seit der frühen Steinzeit vergangene Zeit um ein Vielfaches übersteigt.

Ein Reaktor muss aktiv gesteuert werden

Ein wesentliches Merkmal eines Kernreaktors besteht darin, dass er stets durch aktive Eingriffe im Inneren kontrolliert werden muss. Anders als bei einem Gaskraftwerk existiert kein äußeres Ventil, mit dem einfach die Treibstoffzufuhr unterbrochen werden kann, was relativ schnell zur Abschaltung führt. Der Treibstoff eines Atomreaktors befindet sich komplett im Reaktorkern und gibt permanent Wärme an die Umgebung ab. Kann diese Wärme nicht kontinuierlich abgeführt werden, kommt es zu einer Überhitzung.
Dieses Fehlen passiver Sicherheit ist das Kernproblem der anhaltenden Sicherheitsdiskussion.
Die von den Betreibern praktizierte Lösung besteht darin, mehrere voneinander unabhängige Sicherheitssysteme zu installieren. Voneinander unabhängig bedeutet, dass keine denkbare Fehlerursache existieren darf, die alle Systeme gleichzeitig lahm legen könnte. Als problematisch erweist sich, dass z.B. alle Systeme Strom benötigen. Außerdem benötigen sie auch alle qualifiziertes Personal, was ebenfalls nicht in jedem denkbaren Szenario gewährleistet ist.

Wirtschaftliche Aspekte

Atomstrom wird in Deutschland mit dem Argument verteidigt, dass es sich um billigen Strom handele. Viele der Argumente der Diskussion über Kernenergie sind sicherlich strittig, diese aber ist schlicht unsinnig. Atomstrom ist der mit weitem Abstand teuerste Strom, zahlreiche Kosten werden jedoch auf Umwegen von der Allgemeinheit getragen und nicht als Kosten des Atomstroms ausgewiesen. Das betrifft zunächst die Kosten für die gegenwärtige Zwischenlagerung des Atommülls, an denen die Betreiber der Kernkraftwerke nur zu einem sehr geringen Teil beteiligt sind. Es bedarf auch keiner besonderen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse um zu erkennen, dass die zukünftige Sicherung eines Endlagers über unzählige Jahrtausende nicht billig sein kann! Eine noch gravierende Verlagerung der Kosten findet durch den Verzicht auf eine Betriebshaftpflicht statt. Andere Betreiber risikobehafteter Anlagen müssen eine solche zwingend nachweisen, Betreiber von AKWs können das nicht. Der verursachte materielle Schaden im Fall einer Kernschmelze kann nur grob geschätzt werden, für dicht besiedelte Länder bewegen die Schätzungen sich im Bereich mehrerer Billionen Euro. Selbstverständlich findet sich dafür kein Versicherer! Im Ernstfall bleibt jeder auf seinen Kosten sitzen, die Betreiber haften für von ihnen verursachte Schäden nur im Rahmen eines lächerlich geringen Entschädigungsfonds. Die Freistellung von der Haftung für verursachte Schäden stellt einen geldwerten Vorteil zu Lasten der Allgemeinheit dar.